"Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren. Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet."
Jean Ziegler, UN-Sonderberichterstatter für das Menschenrecht auf Nahrung

Nach Definition der Vereinten Nationen (UN) hungert ein Mensch, wenn er weniger zu essen hat, als er täglich braucht, um sein eigenes Körpergewicht zu halten und um seine Arbeit zu verrichten. Laut FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations), der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, braucht ein Mensch durchschnittlich 1.800 bis 1.900 kcal, um seinen Stoffwechsel und wichtige Organfunktionen aufrecht zu erhalten. Alles, was unter diesem Wert liegt, führt zu Unterernährung.

Bei weniger als ca. 1.400 kcal am Tag wird von einer extremen Unterernährung und chronischem Hunger gesprochen. Andauernder Hunger und Unterernährung führen zu einer Reihe von gravierenden Mangelerscheinungen. Die Entwicklung und die Leistungsfähigkeit der Betroffenen werden dadurch dramatisch verschlechtert. Sie werden müde und apathisch und sind nicht mehr in der Lage, sich für sich selbst und für die Verbesserung ihrer Situation einzusetzen. Die Abwehrkraft nimmt stark ab. Eigentlich harmlos verlaufende Krankheiten wie Husten oder Durchfall können tödlich enden. Für mehr als 800 Millionen Menschen ist Hunger chronisch.

Generell gibt es zwei Arten von Hunger:

  • Den Hunger durch Armut, auch als Chronischer Hunger bezeichnet, wobei kein Nahrungsmittelmangel der allgemeinen Bevölkerung vorherrscht.
  • Den Hunger durch allgemeinen Nahrungsmittelmangel, auch als Konjunktureller Hunger bezeichnet, hervorgerufen durch ungünstige Umstände wie Katastrophen, Krieg, Umweltverschmutzung, Dürren, etc.

Hard facts

  • Weltweit sind mindestens 925 Millionen Menschen permanent schwer unternährt
  • Jeden Tag sterben rund 57.000 Menschen an Hunger!
  • Jeder achte Mensch auf der Welt hungert
  • Laut FAO sterben täglich allein 16.000 Kinder an den Folgen von Hunger
  • Gemäß der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Hunger weltweit das Gesundheitsrisiko Nummer 1. An Hunger sterben mehr Menschen als an AIDS, Malaria und Tuberkulose zusammen.

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat berechnet, dass die gesamte Landwirtschaft auf der Welt derzeit nicht nur die aktuelle Bevölkerung von etwa 7 Milliarden Menschen mit Grundnahrungsmitteln versorgen könnte, sondern dass die Produktion sogar für 12 Milliarden Menschen mit jeweils 2.100 kcal ausreichen würde.

Verteilung des Hungers

Ausgerechnet in der ländlichen Gegend, wo Lebensmittel erzeugt werden, leben etwa zwei Drittel aller Hungernden. Vor allem landlose Landarbeiter, Pächter, und Kleinbauern haben mit Hunger zu kämpfen.
Weltweit gibt es 450 Millionen Kleinbauernfamilien, die eine Fläche unter zwei Hektar bewirtschaften. Dies sind etwa 2 Milliarden Menschen und somit ein Drittel der gesamten Weltbevölkerung. Unter ihnen befindet sich die Hälfte aller weltweit hungernden Menschen. Schwankende Nahrungsmittel- und Treibstoffpreise, Umweltkatastrophen, Diskriminierung etc. können sie leicht in den Hunger treiben, oder haben sie bereits in den Hunger getrieben.

Die meisten der restlichen vom Hunger betroffenen Menschen leben in den rapid wachsenden Elendsvierteln der Großstädte dieser Welt wie in Dhaka in Bangladesch, Jakarta in Indonesien oder Kalkutta in Indien. Weltweit lebt fast ein Drittel aller Stadtbewohner in den Elendsvierteln oder Slums (32%), in den Entwicklungs- und Schwellenländern sogar 43%.

Die meisten unterernährten Menschen gibt es in den Entwicklungsländern.

Betroffene sind vor allem Frauen und Kinder

Frauen auf dem Land erzeugen in Afrika laut FAO bis zu 80 % aller Grundnahrungsmittel. In Asien stellen sie 50 - 90 % der Arbeitskräfte im Reisanbau. Doch Frauen werden bei der Land- und Kreditvergabe benachteiligt. Beim Essen bedienen sich in vielen Teilen der Welt die Männer und Jungen oft als erstes. Mädchen und Frauen bleibt so nur der Rest der vom Essen übrigbleibt.

Unterernährte Frauen gebären unterernährte Kinder.

Bei Kindern bilden sich bis zum 5. Lebensjahr die Gehirnzellen. Herrscht keine angemessene, ausreichende regelmäßige Ernährung, kann sich das Gehirn nicht richtig entwickeln. Es entsteht eine irreparable organische Hirnschädigung.

Wer permanent am Existenzminimum lebt, kann keine Ersparnisse bilden, um naturbedingte Ernteausfälle oder soziale Notlagen wie Krankheit oder Arbeitslosigkeit zu überbrücken. Soziale Sicherungssysteme gibt es in vielen Ländern gerade für die nicht, die sie auffangen müssten. In den vom Hunger betroffenen Regionen dieser Welt gibt es auch kein intaktes Gesundheitssystem, so können Krankheiten Menschen in Armut und Hunger treiben.

Kwashiorkar, dessen typisches Merkmal der aufgeblähte Bauch ist, und Noma, bei dem fleischfressende Bakterien langsam das Gesicht zerstören, sind die schlimmsten durch Unternährung und Hunger hervorgerufenen Krankheiten.


Die Entstehung von Hunger

Hunger ist heutzutage oft keine Folge von der Knappheit von Nahrungsmitteln und somit ein naturgegebenes Phänomen, sondern die Konsequenz aus einer Serie von ethisch und moralisch nicht vertretbaren politischen und wirtschaftlichen Fehlentscheidungen.

Schuld ist ein komplexes Geflecht aus sozialen, politischen und wirtschaftlichen Faktoren, das dafür sorgt, dass die Nahrung nicht zu denen gelangt, die sie am nötigsten brauchen.

Die Rolle der transnationalen Privatgesellschaften / Multinationals

Die Profitmaximierung der transkontinentalen Privatgesellschaften, die den größten Teil des Weltagrarhandels kontrollieren, ist mitverantwortlich für den Hunger in der Welt. Agrarreformen, Subventionen der Basislebensmittelpreise zugunsten ärmerer Bevölkerungsteile, und ein Verbot der Börsenspekulationen auf Grundnahrungsmittel werden strikt abgelehnt. Heutzutage kontrollieren die zweihundert größten Agrarkonzerne rund ein Viertel der globalen Lebensmittelerzeugung und erwirtschaften so astronomische Gewinne. Ihr Einfluss auf die meisten westlichen Regierungen ist enorm.

Zehn Unternehmen, wie etwa Monsanto, Aventis, Pioneer und Syngenta beherrschen ein Drittel des Saatgutmarktes und somit die Eigentumsrechte am Saatgut, sowie 80% des Pestizidmarktes. Um höhere Gewinne und mehr Produktivität zu erzielen, wird hochgezüchtetes Saatgut, wie genveränderter Hybridreis, angebaut. Die Vielfalt von Feldfrüchten geht dadurch verloren.

Der Düngermarkt wird zu 77% von 7 Unternehmen beherrscht, darunter sind Bayer, Syngenta, BASF, Cargill, DuPont und Monsanto. Die Trader dieser Unternehmen setzen an der Börse für Agrarrohstoffe die Preise für die wichtigsten Nahrungsmittel fest. Cargill ist heute der mächtigste Getreidehändler der Welt und steht unter schärfster Beobachtung von NGOs. Im Jahr der Lebensmittelkrise 2008"erwirtschaftete" Cargill einen Reingewinn von 3,6 Milliarden Dollar. 


Der Weg aus der Hungerkrise

Spenden an Organisationen wie:

  • Brot für die Welt
  • Rotes Kreuz
  • Welthungerhilfe
  • UN-Lebensmittelhilfe, etc.

Fairtrade-Produkte kaufen:

Die 2 Milliarden Menschen, die in Kleinbauernfamilien leben, können durch eine sichere Einnahmequelle durch Verkauf ihrer Anbauprodukte aus dem Kreislauf des ständigen Hungers gerettet werden. Durch Fairtrade wird Kleinbauern ermöglicht, durch den Verkauf von Exportprodukten ihre Grundexistenz sicher zu stellen und einen Teil des Geldes zu investieren. Sie werden dadurch unabhängig von internationalen Spekulationen in der Nahrungsmittel- und Treibstoffindustrie.

Biologischen Anbau unterstützen:

Durch Bio-Anbau werden die Bauern unabhängig von den Machenschaften von Konzernen wie Monsanto (zum Thema Pestizide und Gen-Mais bitte hier klicken).

Vegetarische oder vegane Ernährung:

35 Millionen Tonnen Soja werden jedes Jahr von Brasilien nach Europa importiert. Ein Großteil wird zu Tierfutter. Für die Anbauflächen wird Regenwald abgeholzt. In Ländern wie Brasilien, Argentinien, Bolivien und Paraguay führt der Sojaanbau nicht nur zur Zerstörung wertvoller Wälder und Verschiebung des ökologischen Gleichgewichts sondern auch zu Menschenrechts- und Landrechtsverletzungen und zur Vertreibung von Urvölkern. In den letzten zehn Jahren wurden so für die Rinderproduktion zehn Millionen Hektar Regenwald vernichtet. Dies fördert auch die globale Klimaerwärmung.

Produkte: fair trade, biologisch, lokal, saisonal!

Keine Produkte von Lebensmittelherstellern wie Unilever, Kraft Foods, Nestlé, etc.

Gegen die Klimaerwärmung aktiv werden:

Diese fördert extreme Wettersituationen wie Überschwemmungen und Dürren, die dann wiederum Hunger auslösen...


Für den Inhalt verantwortlich: Ridehere-Ridenow, Verein für ein bewusstes Leben im Hier und Jetzt, ZVR: 437983246