Begriffsdefinition: Prostitution

Laut Wikipedia bezeichnet Prostitution (von lat. prostituere„nach vorn/zur Schau stellen, preisgeben“),.., die Vornahme sexueller Handlungen gegen Entgelt (..).

Zum Begriff "Sexarbeit" schreibt Mag. Dr. Alexandra Weiss vom Büro für Gleichstellung und Gender Studies der Universität Innsbruck: "Der Begriff Sexarbeit war ehemals als Provokation gedacht. In diesem Kontext (gemeint ist der im Artikel davor erklärte Kontext neoliberaler Transformation von Politik, Gesellschaft und Ökonomie, die die Wahrnehmung von Macht- und Herrschaftsverhältnissen grundlegend verschoben hat) freilich ist er Teil einer Normalisierung, die Prostitution als "Arbeit wie jede andere" setzt und Strukturen sozialer Ungleichheit ausblendet." (Schwerpunkt Soziales im Magazin 20er, 07/08/2015)

Ridehere-Ridenow verwendet aussschließlich den Begriff Prostitution, da der Begriff Sexarbeit wie beschrieben bereits eine Ideologie impliziert, und diese Ideologie unserer Philosophie gänzlich widerspricht.

De facto ist Prostitution ein ausbeuterisches System, das Menschen durch Bezahlung berechtigt, über den Körper anderer Menschen (wie Waren) zu verfügen.


10 Fakten und Kommentare zu häufigen Diskussionspunkten

  • "Prostitution ist das älteste Gewerbe der Welt, die wird es immer geben": Abgesehen davon, dass dies historisch nicht stimmt: Man argumentiert ja auch nicht mit der Geschichte - beginnend bei Kain und Abel - für eine Legalisierung von Mord als Phänomen, das sich durch die ganze Menschheitsgeschichte zieht..was Prostitution aber auf jeden Fall ist, ist eines der ältesten Systeme sexueller Ausbeutung von Mädchen und Frauen. Und dass die Sklaverei über einen sehr langen Zeitraum Teil der Menschheitsgeschichte war, hat uns zum Glück auch nicht davon abgehalten, sie abzuschaffen!
  • Der "starke männliche Trieb", der die Basis für die in Tirol unerklärlicher Weise noch immer stattfindende "Prüfung des messbaren Bedarfs" bei Anträgen auf neue Bordelle bildet, und Männer zu schwachen, ihren Trieben ausgelieferten tickenden Zeitbomben und potentiellen Vergewaltigern abstempelt, ist von der Sexualwissenschaft längst widerlegt. Abgesehen davon ist der Anteil der regelmäßigen Sexkäufer an der männlichen Gesamtpopulation erwiesenermaßen sehr gering.
  • Menschenhandel, mafiöse Strukturen, Begleitkriminalität, Drogen, Gewalt, Prostitution Minderjähriger, soziale Ungleichheit und Geschlechterverhältnisse (Sexkäufer sind zu 95% Männer, Prostituierte sind fast ausschließlich Frauen) sind untrennbar mit Prostitution verbunden und können nicht isoliert voneinander betrachtet werden. Wer Gleichberechtigung fordert (und Österreich ist nach Art. VII Abs. 2 Bundesverfassungsgesetz verpflichtet, die Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu fördern sowie auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinzuwirken), kann Prostitution als System, das sich nur auf die männliche Bedürfnisbefriedigung ausrichtet, somit nicht befürworten!
  • Die Gruppe, die das ausbeuterische System letztlich finanziert, nämlich die Freier, wurde bisher von der Diskussion in Östereich leider fast völlig ausgeklammert. Während die Situation der Prostituierten sehr wohl diskutiert wurde und wird, wurden bisher weitgehend alle Handlungen der Freier durch den oben beschriebenen übermächtigen männlichen Sextrieb legitimiert. Wenn auch die Freierforschung noch eine relativ junge wissenschaftliche Disziplin und die Quellenlage mangelhaft ist, gibt es dennoch bereits einige aufschlussreiche - und erschreckende - Erkenntnisse über die Motive: Leicht und jederzeit verfügbarer Sex in jeder gewünschten Ausprägungsart, aber auch Macht, Gewalt und Dominanz, Frauenverachtung und Frauenhass.
  • Die nach den vorliegenden Befunden sinnvollste Lösungsstrategie beruht auf dem sogenannten "Nordischen Modell (Schweden, Norwegen, etc.)" und beinhaltet die Entkriminalisierung der Prostituierten (inkl. der Förderung von Ausstiegsszenarien, Umschulungsmaßnahmen, etc.),  die Bestrafung der Sexkäufer, sowie eine beträchtliche Erhöhung der Strafen für Zuhälter und Menschenhändler.
  • Genau diese Strategie zur Eindämmung der Nachfrage wurde im Februar 2014 in einer Resolution des Europäischen Parlamentes von den EU-Staaten gefordert! Sexuelle Dienstleistungen gegen Bezahlung verletzen nach Ansicht der Abgeordneten immer die Menschenrechte und die Würde des Menschen. Daten der EU-Kommission zeigen, dass 62 % der Opfer von Menschenhandel mit dem Ziel der sexuellen Ausbeutung entführt wurden; 96 Prozent der identifizierten oder mutmaßlichen Opfer sind Frauen und Mädchen.
  • Das realitätsferne theoretische Gebilde von Prostitution als Dienstleistung wie jede andere - beruhend auf der neoliberalen Logik der Individualisierung und Eigenverantwortung, i.e. einem Vertrag, der zwischen "gleichberechtigten VertragspartnerInnen" abgeschlossen wird -, als Emanzipation und geeignete Möglichkeit zur Existenzsicherung, ist falsch, diskriminierend und entwürdigend. Die herrschenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Machtverhältnisse sowie die realen Gewalt- und Abhängigkeitsfragen werden von den LobbyistInnen des Sexarbeits-Modelles schlichtweg ausgeblendet.
  • Die Profiteure der Prostitution sind (neben der Freiern) ausschließlich die Bordellbetreiber, Zuhälter und Menschenhändler, die sich am Verkauf und der Ausbeutung der Frauen und Mädchen bereichern. Leidtragende des patriarchalischen Systems der Prostitution sind in erster Linie die Prostituierten und in weiterer Folge alle Frauen, die zu permanent sexuell verfügbaren Objekten gemacht werden, sowie alle Männer, die - wie oben beschrieben - zu schwachen, triebgesteuerten Monstern ohne freien Willen degradiert werden, Mädchen und Buben, die auf der Straße sehen, dass Frauen wie Objekte behandelt werden (und im Falle einer von der Sexarbeits-Ideologie geforderten Legalisierung in der Schule das Gewerbe Prostitution als Berufsoption präsentiert bekommen), und somit letztlich die gesamte Gesellschaft, die sich von den Errungenschaften der Menschenwürde und Menschenrechte verabschiedet.
  • Last but not least (und leider sehr aktuell): Der Großteil (etwa 95%!) der Prostituierten sind Migrantinnen aus ärmeren Regionen Europas, Afrikas und Asiens (komischerweise entschließen sich auch in Deutschland, dem Vorbild der Sexarbeits-LobbyistInnen, kaum Deutsche Frauen für ein tolles Leben als selbstbestimmte, freie Prostituierte, dafür wird das Land - wie auch die Niederlande - zur Drehscheibe für Frauenhandel), die - kaum volljährig - in Massen aus ihren Ländern verschwinden, als Stütze und Wirtschafskraft ausfallen, um später traumatisiert, (sucht)krank, ausgebeutet, und genauso arm wie davor zurückzukehren. Laut einer Umfrage des Österreichischen Gesundheitsministeriums wollen 90% der Befragten aussteigen
  • Während in Österreich der Druck der Sexarbeits-LobbyistInnen, im wesentlichen einer marginalen feministischen Splittergruppe im Umfeld der Grünen, weiter zu nimmt, regt sich in Deutschland bereits immer mehr Widerstand, und es werden Stimmen laut, die den Anstieg von Zwangsprostitution und Menschenhandel klar thematisieren, wie etwa ein Antrag im Bayerischen Landtag zeigt: "Begründung: Einhergehend mit der Legalisierung und Ausbreitung der Prostitution haben Zwangsprostitution und Menschenhandel deutlich zugenommen. Diese Verbrechen haben äußerst schwerwiegende Folgen für die Opfer."
    Antrag bayrischer Landtag
Foto: Euranetplus Inside

Menschenhandel

Anlässlich des 2. Welttages gegen den Menschenhandel am 30. Juli 2015 hat die UNO zum Handeln aufgerufen. Laut dem UNODC-Jahresbericht 2014 sind über 150 Staaten betroffen, 33 % der bekannten Opfer von Menschenhändlern sind Kinder, davon 75% Mädchen. Insgesamt sind 70% der Betroffenen Frauen und Kinder. Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) verdienen Schmugglerbanden mit Zwangsarbeit und sexueller Ausbeutung jährlich 150 Mrd. US-$ (knapp 136 Mrd. €), davon entfallen 99 Mrd. US-$ auf Zwangsprostitution. 4.5 Mio. Menschen sind Opfer von sexueller Ausbeutung.

Laut UNODC ist die Gesetzgebung in vielen Ländern durchlässig, es wird oft nur lasch gegen Menschenhändler vorgegangen. Das mache Millionen Menschen „verletzbar“. In vielen Ländern gebe es kaum oder keine Verurteilungen. Straflosigkeit sei „unakzeptabel“, sie zeige, „dass Menschenhändler derzeit mit ihren Verbrechen davonkommen".

Kein Land ist immun, auch Österreich nicht: Im Jahresbericht 2014 werden für 2012 127 Fälle genannt, über 200 Tatverdächtige und 20 Verurteilungen.

Wie hoch bei diesen erschreckenden offiziellen Zahlen die Dunkelziffer ist, kann man sich kaum vorstellen: „Das ist natürlich nur die Spitze des Eisberges“, sagte UNODC-Experte Alun Jones anlässlich des Erscheinen des Berichts gegenüber der APA. Wie groß der nicht sichtbare Teil ist, wisse man einfach nicht.

In Österreich werden pro Jahr bis zu 350 Opfer betreut, Österreich ist sowohl Transit- als auch Zielland. Verdachtsfälle auf Kinderhandel nehmen stark zu. Leider stehen der hohen Anzahl an Opfern von Menschenhandel nur wenige Verurteilungen gegenüber. Die 2004 gegründete Task Force Menschenhandel ist um Verbesserungen bemüht.

Dass Prostitution und Menschenhandel untrennbar miteinander verbunden sind, geht auch aus der 2016 von der Europäischen Kommission veröffentlichten Studie "Study on the gender dimension of trafficking in human beings" ganz klar hervor (steht unter "Quellen und Literatur" zum Download bereit).

Amnesty International

Die Resolution von Amnesty International zur Entkriminalisierung aller Aspekte der Prostitution kam wie ein Schock: Offenbar hat es die marginale feministische Splittergruppe der Sexarbeits-LobbyistInnen zusammen mit Vertretern der Zuhälter, Bordellbetreiber und Freier geschafft, eine vormals als MenschenRECHTsorganisation bekannte NGO in eine menschenverachtende Richtung zu bewegen. Es bleibt zu hoffen, dass die großen Proteste in den social media, etc., AI dazu bewegen, diese Entscheidung nochmals zu überdenken.

Get active: Hier können Sie die Petition unterschreiben!

Think global, act local

Das derzeit stark steigende Angebot an Prostitution, das in Verbindung mit der sinkenden Nachfrage zu einer Verschärfung der Konkurrenzsituation und damit unter anderem zu einer Zunahme der Gewalt in Form von Begleitkriminalität, Machtkämpfen der Zuhälter, aber auch einer weiteren Prekarisierung der Situation der Prostituierten führt, ist - wie viele weitere Herausforderungen unserer Zeit - eine Folge der unregulierten Globalisierung und fehlenden Verteilungsgerechtigkeit. In diesem Sinne ist auch dieses Phänomen in seiner Gesamtheit letztlich wohl nur global lösbar, und zwar durch das Erreichen einer fairen, globalen Partnerschaft, einer fairen Welt für alle, unter anderem durch die Förderung einer fairen, mit internationalen Regeln und Gesetzen abgesicherten, Hausordnung für das "Raumschiff Erde".

Dies enthebt uns aber nicht der Pflicht, auch lokale Maßnahmen zur tatsächlichen Lösung der Probleme zu implementieren. Aussagen wie: "Das Problem an sich können wir ohnehin nicht lösen, also finden wir uns damit ab und versuchen wir, die Situation durch Euphemismen erträglicher zu machen" sind zutiefst unrecht und feige.

Aktiv werden: Ridehere-Ridenow Counterbalance: Stop Sexkauf!


Für den Inhalt verantwortlich: Ridehere-Ridenow, Verein für ein bewusstes Leben im Hier und Jetzt, ZVR: 437983246