Anlässlich des 2. Welttages gegen den Menschenhandel am 30. Juli 2015 hat die UNO zum Handeln aufgerufen. Laut dem UNODC-Jahresbericht 2014 sind über 150 Staaten betroffen, 33 % der bekannten Opfer von Menschenhändlern sind Kinder, davon 75% Mädchen. Insgesamt sind 70% der Betroffenen Frauen und Kinder. Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) verdienen Schmugglerbanden mit Zwangsarbeit und sexueller Ausbeutung jährlich 150 Mrd. US-$ (knapp 136 Mrd. €), davon entfallen 99 Mrd. US-$ auf Zwangsprostitution. 4.5 Mio. Menschen sind Opfer von sexueller Ausbeutung! Daten der EU-Kommission zeigen, dass 62 % der Opfer von Menschenhandel mit dem Ziel der sexuellen Ausbeutung entführt wurden; 96 Prozent der identifizierten oder mutmaßlichen Opfer sind Frauen und Mädchen.

Angesichts dieser Zahlen ist der Umgang mit dem Thema Prostitution in Innsbruck schwer nachvollziehbar: Vom Südtirolerplatz über den Südring bis zum Mitterweg sind mehrere Häuser zu Schlupflöchern von Prostituierten und Zuhältern geworden. Den schwerpunktmäßigen Kontrollen entzieht man sich durch die Anmietung neuer Wohnungen in Häusern in der unmittelbaren Umgebung. Dies hat unter anderem eine unzumutbare Belastung der anderen HausbewohnerInnen zur Folge, die aufgrund der permanenten nächtlichen Ruhestörungen durch die Besuche der Sexkäufer und Auseinandersetzungen zwischen Zuhältern und Prostituierten in ihrem Alltag massiv beeinträchtigt sind.

Unzureichende Gesetzeslage

Die Gesetzeslage ist unzureichend und ermöglicht es der Exekutive und Judikative nicht, wirksam gegen die ausufernde Prostitution vorzugehen. Auch der Kampf gegen negative Begleiterscheinungen wie Menschenhandel, Zuhälterei, Gewalt, Drogen und mafiöse Strukturen gestaltet sich als schwierig. Während die jungen Frauen aus Osteuropa ausgebeutet werden und sich für minimale Beträge verkaufen müssen, fahren ihre Zuhälter (vorwiegend aus Rumänien, Bulgarien und Ungarn - Konkurrenzkämpfe finden bereits statt) mit vollen Geldtaschen und in Luxuskarossen durch die Straßen oder trainieren in den umliegenden Fitness-Studios.

Langfristig ist auch eine Beeinträchtigung der Attraktivität des Stadtteiles und der ansässigen Unternehmen zu erwarten. Auch die Auswirkungen auf die Gesellschaft, vor allem auf junge Menschen, dürfen nicht außer Acht gelassen werden: Wie soll Gleichberechtigung (Österreich ist nach Art. VII Abs. 2 Bundesverfassungsgesetz verpflichtet, die Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu fördern sowie auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinzuwirken) erreicht werden, wenn von Kindheit an Frauen wie Waren als jederzeit käufliche Objekte wahr genommen werden?

Nicht umsonst forderte das Europäische Parlament im Februar 2014 in einer Resolution die EU Staaten auf, durch Maßnahmen, die auf dem so genannten “Nordischen Modell” beruhen, nämlich durch die Entkriminalisierung der Prostituierten (inkl. der Entwicklung von Ausstiegsstrategien, Umschulungsmaßnahmen, etc.) und Bestrafung der Sexkäufer, die Nachfrage nach Prostitution einzudämmen und so der Ausbeutung entgegen zu wirken. Sexuelle Dienstleistungen gegen Bezahlung verletzen nach Ansicht der Abgeordneten immer die Menschenrechte und die Würde des Menschen.

Die Legislative (und somit die Politik) ist gefordert, durch ein neues Landesgesetz dieser Resolution des EU-Parlamentes nachzukommen, und den Sexkauf in Tirol zu beenden.


Wir fordern das Land Tirol und die Stadt Innsbruck auf:

  • Mit sofortiger Wirkung Freierstrafen sowie Strafen für Vermieter und sonstige Dritte, die die Prostitution fördern und von ihr profitieren, einzuführen. Nicht die Prostituierten, sondern die Sexkäufer müssen gesetzlich belangt werden.
  • Das Konstrukt des - auf der von der Sexualwissenschaft längst widerlegten Vorstellung des "nicht zu bändigenden männlichen Triebes" beruhenden - "messbaren Bedarfes" an Möglichkeiten zum Sexkauf und damit auch die Prostitution in Bordellen, etc., abzuschaffen und damit der Entscheidung des EU-Parlamentes, dass Sexkauf immer eine Menschenrechtsverletzung ist, zu folgen.
  • Die entsprechenden Gesetze und Vorschriften so anzupassen, dass die neuen Regelungen effektiv und schnell umgesetzt werden können.
  • Ambitionierte Opferschutz- und Umschulungsprogramme für den Einstieg der Prostituierten in ein lebenswertes Leben und Arbeiten nach der Prostitution zu etablieren.
  • Öffentliche Gelder auch an Organisationen, die für das Nordische Modell eintreten, zu vergeben.
  • Über die politischen Kontakte zur Bundesebene folgende Änderungen der entsprechenden Bundesgesetze zu fordern:
  • Anhebung der Mindeststrafen für Zuhälterei und Menschenhandel auf 10 Jahre.
  • Gewährleistung des Schutzes der Familien der Prostituierten in ihrer Heimat durch verstärkte Zusammenarbeit mit den Behörden in den Herkunftsländern.

PDF-Version der Petition "Stop Sexkauf"

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